Berlin. Teure Verträge zur Altersvorsorge andrehen lassen? Wie sie Lebensversicherung, aktive Fonds oder fondsgebundene Rentenpolice noch abstoßen.

Trennungen können schmerzhaft sein. Manche Menschen hadern daher lieber mit dem Status quo, anstatt zu handeln. Das gilt nicht nur für toxische Beziehungen, sondern auch für teure und unpassende Produkte für die Altersvorsorge. Doch gerade hier ist ein klarer Schnitt häufig die beste Option, um optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Egal ob aktive Fonds, Lebensversicherung oder fondsgebundene Rentenpolice – all diese Vorsorgeprodukte haben eines gemeinsam: sie sind überdurchschnittlich teuer. Aus diesem Grund wurden sie meist nicht bewusst gekauft, sondern bewusst verkauft. Von der Bank, der Finanzberaterin oder vom Struktur-Vertriebler. Für die Kunden ist das besonders ärgerlich. Denn aufgrund der langen Laufzeiten von 30 oder 40 Jahren haben Kostenunterschiede bei Altersvorsorgeprodukten einen großen Einfluss auf das Kapital im Ruhestand.

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Rente: Aktive Fonds teurer und meist schlechter

Manchmal rechtfertigt die Leistung eines Produkts einen hohen Preis. Bei Vorsorgeprodukten ist das jedoch nur sehr selten der Fall. Mehr als 90 Prozent aller aktiv gemanagten Fonds erzielen laut dem Morningstar Active/Passive Barometer über 20 Jahre ein schlechteres Ergebnis als passiv gemanagte Fonds derselben Kategorie, sogenannte ETFs.

Der Preis der aktiven Fonds ist dabei allerdings um ein Vielfaches höher. Sie kosten oft zwischen 1,5 und 2,5 Prozent Gebühren pro Jahr, während die von Finanztip empfohlenen ETFs Jahresgebühren zwischen 0,1 und 0,6 Prozent haben. Die Auswirkungen auf das Altersvorsorgevermögen sind aufgrund des Zinseszins-Effektes riesig.

Mit einem ETF-Sparplan, bei dem man jeden Monat 200 Euro in einen weltweiten Aktienindex wie den MSCI World investiert, lässt sich nach 30 Jahren ein Wert von rund 180.000 Euro erreichen – gerechnet mit einer Wertentwicklung von moderaten 6 Prozent und 0,5 Prozent Kosten pro Jahr. Der gleiche Sparplan bei einem vergleichbaren aktiven Fonds mit 2 Prozent Kosten kommt hingegen nur auf knapp 140.000 Euro. Und dabei sind die deutlich höheren Einstiegskosten des aktiven Fonds und die beschriebene schlechtere Performance nicht einmal berücksichtigt.

Die eigenen Verträge zur Altersvorsorge mal in Ruhe überprüfen und notfalls umwandeln: Der Aufwand kann sich bezahlt machen.
Die eigenen Verträge zur Altersvorsorge mal in Ruhe überprüfen und notfalls umwandeln: Der Aufwand kann sich bezahlt machen. © Getty Images | shapecharge

Dementsprechend kann eine Umstellung der Altersvorsorge von aktiven auf passive Fonds über die nächsten Jahrzehnte viel Geld bringen. Daran ändern auch die einmaligen Steuern nichts, die anfallen, sobald man den Gewinn der aktiven Fonds beim Verkauf realisiert. In diesen sauren Apfel muss man leider beißen. Aber immer noch deutlich besser, als weiterhin draufzuzahlen.

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Selbst wenn es nur noch wenige Jahre bis zur Rente sind, kann sich eine Umschichtung noch lohnen. Denn auch über den gesamten Ruhestand, der heutzutage deutlich länger ist als früher, sollte der Großteil des Geldes angelegt sein und so Rendite bringen. Nur wenn aus speziellen Gründen geplant ist, das Geld zeitnah in Tages- und Festgeldanlagen umzuschichten, behält man besser den aktiven Fonds.

Riester, Rürup und Co.: Aufpassen bei Versicherungsverträgen

Bei Versicherungsverträgen ist das Loswerden häufig schwieriger und abhängig von der Vertragsart. Der Abschluss eines teuren Basisrentenvertrags, auch Rürup-Vertrag genannt, lässt sich beispielsweise nicht so einfach korrigieren. Er ist unkündbar und läuft daher bis zum Ruhestand weiter.

Hier nicht mehr in den Vertrag einzuzahlen und das Geld anderweitig zu investieren, zum Beispiel in einen ETF-Sparplan, ist durchaus eine Option. Die Verwaltungskosten des Vertrags laufen weiter, aber immerhin auch die Wertentwicklung des Vertragsguthabens. An den Rürup-Vertrag gekoppelte Bausteine, zum Beispiel eine Berufsunfähigkeitsversicherung, lassen sich bei einigen Anbietern herauslösen und separat weiterführen.

Ein Riester-Vertrag wiederum ist zwar kündbar, allerdings ist die deutlich bessere Variante, den Vertrag beitragsfrei zu stellen.

Statt Kündigen: Trick senkt Kosten bei bestehender Altersvorsorge

Ebenfalls nicht empfehlenswert ist es, einen alten Lebensversicherungsvertrag zu kündigen. Vor 2004 abgeschlossene Verträge sind in der Auszahlung noch steuerfrei. Bei später gestarteten klassischen Lebens- oder Rentenversicherungen mit einem schlechten Garantiezins sollte eine Kündigung und Neuanlage mit ETFs durchaus in Erwägung gezogen werden, wenn genügend Zeit bis zur Rente verbleibt.

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Bei fondsgebundenen Rentenpolicen, die weder Riester- oder Rürup-Verträge sind, kommt es auf die Art der Anlage und die verbleibende Zeit bis zu Rente an. Faustregel: Je länger die Rente entfernt ist, desto mehr lohnt sich eine Kündigung und das Weitersparen mit einem ETF-Sparplan. Wer bei seinem Vertrag bleibt, kann immerhin bei fast allen Anbietern die Kosten reduzieren, indem von aktiven Fonds auf ETFs umgestellt wird.

Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Der Geld-Ratgeber für Verbraucher ist Teil der gemeinnützigen Finanztip-Stiftung.